Rhein-Zeitung: Rechtsradikalismus im Fußball: Wie Neonazis Fritz Walter einspannen

„Breitenthal – Mannschaftliche Geschlossenheit, Kampfgeist, Moral: Als Vertreter solcher traditioneller Werte gilt vielen Fußballfans bis heute Fritz Walter, Kapitän der der legendären Weltmeistermannschaft von 1954 und des 1. FC Kaiserslautern, dessen Stadion auf dem Betzenberg nach ihm benannt ist. Als Verkörperung dieser Werte wird die FCK-Legende auch im Lied „Der Stürmer“ von der Band Kategorie C besungen.

Harmlose Fußballromantik ist das allerdings keineswegs, wie der Journalist und Buchautor Ronny Blaschke in seinem Vortrag über Rechtsradikalismus im deutschen Fußball feststellte, zu dem der TuS Breitenthal ins Dorfgemeinschaftshaus eingeladen hatte. Laut Blaschke ist das Lied vielmehr ein Versuch, über die populäre Integrationsfigur Fritz Walter rechtsradikale Inhalte unters Volk zu bringen. Hellhörig machen sollte ihm zufolge bereits der Liedtitel: „Der Stürmer war auch der Titel eines antisemitischen Hetzblattes in der Nazizeit, und diese Parallele ist sicher kein Zufall.“

Zwar geben sich Kategorie C – deren Name auf die polizeiliche Kategorisierung für Gewalt suchende Fußballfans zurückgeht – vordergründig „unpolitisch“. Doch laut Blaschke, der für sein Buch „Angriff von Rechtsaußen. Wie Neonazis den Fußball missbrauchen“ jahrelang in der Szene recherchiert hat, gibt es zahlreiche Belege für enge Verbindungen in die Neonazi-Szene. Bände spricht zudem eine Textpassage aus dem Lied „Deutschland, dein Trikot“, das 2006 zur Fußball-WM in Deutschland erschien. „Deutschland, dein Trikot, das ist schwarz und weiß, doch leider auch die Farbe deiner Spieler“, heißt es darin unverhohlen rassistisch.

„Gerade im Umland von Kaiserslautern ist die Band immer wieder mit Auftritten in Erscheinung getreten“, berichtet Blaschke. Organisiert wurden die Rechtsrock-Konzerte teilweise von der rechten Hooligan-Gruppe „Rot-Front Kaiserslautern“, die sich laut Blaschke außerdem mit dem Versuch hervortat, antirassistische Kundgebungen der Lauterer Ultraszene zu unterbinden. Für den 2009 als Sportredakteur des Jahres ausgezeichneten Berliner sind diese Umtriebe ein Beleg, dass sich rechtsextreme Aktivitäten rund um den Fußball nicht auf Ostdeutschland beschränken, wo er selbst allerdings schwerpunktmäßig recherchierte.

Weitere Themen des Vortrags, mit dem der 32-Jährige seit zwei Jahren in ganz Deutschland unterwegs ist, sind unter anderem Codes, hinter denen Rechtsextreme ihre Einstellung verbergen und – besonders im Amateurbereich brisant – das Engagement von Funktionären im Ehrenamt.

Enttäuscht darüber, dass trotz freiem Eintritt praktisch nur Vereinsangehörige den Weg ins Dorfgemeinschaftshaus gefunden hatten, war unterdessen Kim Oliver Rieth, Organisator der Veranstaltungsreihe KulTuS Bränel. „Gerade aus anderen Vereinen hätte ich mir doch etwas mehr Interesse gewünscht.“ Schließlich setze Prävention da an, wo es noch kein offensichtliches Problem mit Rechtsextremismus gebe. mif“

Quelle: Rhein-Zeitung